Wenn Terroristen ‚Intellektuelle‘ zitieren

Erinnern Sie sich noch daran, als Osama bin Laden Jimmy Carters Bücher zur Lektüre empfahl (Link) oder den bekannten amerikanischen linken ‚Intellektuellen‘ Noam Chomsky zitierte? (Link) Eher unwahrscheinlich, denn im deutschen Sprachraum wurde darüber kaum berichtet. Thomas Seinfeld von der Süddeutschen Zeitung schrieb dazu beiläufig:

Noam Chomsky, einst ein berühmter Sprachwissenschaftler, ist heute immer noch der international bekannteste Intellektuelle der Vereinigten Staaten – seiner Feindschaft wider den amerikanischen Imperialismus wegen. Sie trug ihm im Januar 2010 sogar eine freundliche Erwähnung durch Osama bin Laden ein, weil er die Vereinigten Staaten mit der Mafia verglichen hatte.

Die Zitierung durch einen Massenmörder quasi als lustige Anekdote. Nicht, dass von Chomsky, der auch schon der libanesischen Terrororganisation Hisbollah einen Besuch abstattete (Link), je verlangt worden wäre, sich von solchen Freunden zu distanzieren. Nein, im Gegenteil, Chomsky revanchierte sich anschliessend bei seinem Freund Osama bin Laden, als er nach seinem Tode lauthals gegen dessen ‚Hinrichtung‘ protestierte. (Link)

Derselbe oben zitierte Thomas Seinfeld kommentiert in der Süddeutschen Zeitung die Diskussion, inwiefern Islam und Islamismus zusammenhängen, im Januar 2010 mit den folgenden Worten:

Es muss nur [sic!, Anm. d. Verf] irgendetwas geschehen, ein missglücktes Attentat wie zu Anfang des Monats zum Beispiel, und schon geht die Debatte wieder los, mit immer den gleichen Argumenten – halt, nein, was da angeführt wird, sind schon lange keine Argumente mehr, sondern es sind Parolen […].

Die Debatte über den Zusammenhang zwischen Islamismus und Islam, immerhin die wichtigste Inspirationsquelle für den Islamismus nach Aussage der Islamisten selbst, soll also bitte gar nicht erst geführt werden.

Anders die Reaktion auf den Terroranschlag des Andres Breivik. Den von ihm in seinem Machwerk genannten Quellen wird eine Mitschuld an seiner Tat unterstellt.

Der Tagesanzeiger schreibt, „Antiislamistische Blogger in der ganzen westlichen Welt distanzieren sich nun reihenweise vom Mann, mit dem sie die Ideologie teilen, aber nicht den Blutrausch“ und suggeriert eine Mitschuld der islamkritischen Bloggerszene. Die Süddeutsche Zeitung, die nichts daran findet, wenn eine linke Ikone von einem Terrorfürsten zitiert wird, schreibt unter dem suggestiven Titel ‚Wie virtueller Hass zu echtem Terror wird‘:

„Vom virtuellen Kampf im weltweiten Netz zum echten Terror, das ist das beunruhigend Moderne, das sich im Massaker von Oslo offenbart.“

In einem anderen Artikel in derselben Zeitung heisst es zu dem von Breivik zitierten Blogger Fjordman, „Fjordman scheint sich jetzt darüber zu wundern, dass Hasstiraden im Cyberspace auch mal einen Niederschlag in der wirklichen Welt finden können.“

Ob Jimmy Carter oder Noam Chomsky sich ebenfalls darüber wundern, dass ihre ‘Hasstiraden [...] auch mal einen Niederschlag in der wirklichen Welt finden können”, wissen wir nicht, denn ihnen wurde diese Frage nie gestellt.

Gedanken zu den Anschlägen in Norwegen – der Erfolg des Terrorismus

Die zweite Intifada, die palästinensische Terrorkampagne in den Jahren 2000-2006, zeitigte eine paradoxe Reaktion in der europäischen Öffentlichkeit. Je länger der Terror anhielt, desto mehr wich der Abscheu und wuchs das Verständnis. Erklärungen werden bemüht, die alles eines gemeinsam haben: Sie  suchten die Schuld nicht bei den Terroristen selber, sondern bei deren Opfern. Die  Terroristen trafen in deren Augen keine Schuld, denn sozio-ökonomische Faktoren, die ‚Besetzung‘ oder die ‚Siedlungen‘ hatten ihnen keine Wahl gelassen. Unter völliger Ausblendung der Geschichte, wurden das palästinensisch-islamische Narrativ distanzlos übernommen, während der palästinensische Nationalismus und der Islamismus als Ursache für die Radikalisierung und den Terrorismus beständig ignoriert wurden und werden. Auch wenn die palästinensische Terrorkampagne in seinem unmittelbaren Ziel, der Zerstörung Israels, nicht erfolgreich war, so hat sie doch zu einer distanzlosen Solidarisierung und Identifizierung mit der palästinensisch-islamistischen National-Bewegung durch weite Kreise in Europa und hier am ausgeprägtesten im sich ‚progressiv‘ dünkenden linken Milieu  beigetragen.

Ähnliches ist auch beim internationalen islamischen Terrorismus zu beobachten. Nie haben so viele Menschen im Westen arabisch gelernt, sich für islamische Kultur interessiert oder den Kontakt zu Muslimen gesucht wie seit den Terroranschlägen des 11. Septembers. Dieses Interesse an anderen Gesellschaften, diese Neugierde, die so bewundernswert an der europäischen Kultur ist, hat aber einen hässlichen Verwandten: den Kulturrelativismus. Er möchte nicht nur verstehen, sondern auch Verständnis haben. Kulturen empfindet er per se als gleichwertig, Menschenrechte als verhandelbar und unangenehme Vorkommnisse wie Frauenunterdrückung, die Verfolgung von Andersgläubigen oder Antisemitismus als kulturelle und darum nicht kritisierbare Eigenheiten. Auch diese Kulturrelativisten haben wie die Anhänger der palästinensisch-islamistischen National-Bewegung (meist handelt e sich ja um dieselben Leute) die Ursachen für den islamischen Terrorismus nie in den Zwängen und Ideologien der islamischen Gesellschaften verortet, sondern ihn bei dessen Opfern gesucht: Wahlweise werden ‚Imperialismus‘ oder sozio-ökonomische Ursachen dafür verantwortlich gemacht und die Täter zum Opfer der Umstände erklärt.

In welchem Verhältnis stehen diese Beobachtungen zu den Anschlägen in Norwegen? Die Erfahrung der Reaktionen der europäischen Öffentlichkeit auf den islamischen Terrorismus könnten das Kalkül des norwegischen Attentäters beeinflusst haben. Seine Idee, einen christlichen Kreuzzug gegen die Muslime loszutreten und die Anhänger des Multikulturalismus politisch zu verfolgen, erlebt durch die Attentate und nicht zuletzt durch die Verbreitung seines sogenannten ‚Manifests‘ eine ungeahnte Publizität. Nachahmer sollen inspiriert werden. Auf dieselbe Art hat auch der Islamismus seine dschihadistische Ideologie verbreitet. Und nicht wenige derjenigen, die jetzt mit Abscheu reagieren, könnten, analog zu den Reaktionen auf den islamischen Terrorismus, bald nach den ‚tieferen‘ Ursachen seiner Tat fragen und äussere Umstände dafür verantwortlich machen. Genau dies jedenfalls wird sich der Attentäter von seiner Tat erhoffen.

Der Terrorismus macht sich eine menschliche Eigenschaft zunutze; Nietzsche würde es den Ursachentrieb nennen, d.h. den menschlichen Instinkt, in Ursache und Folge zu denken. Gekoppelt mit einem naiven Menschenbild, wonach der Mensch grundsätzlich gut sei und nur aufgrund äusserer Umstände verdorben werde, fördert der Ursachentrieb stets die Entschuldigung der Täter.

Herr Jean Ziegler und 'der Aufstand des Gewissens'

Der Mitbegründer des Gadaffi Menschenrechtspreises (Link) und Posterboy der Linken Jean Ziegler, der wegen seiner Verbindungen zum Gaddafi-Regime von den Salzburger Festspielen ausgeladen wurde, hat ein kleines Büchlein mit dem lustigen Titel ‘der Aufstand des Gewissens’, als ob denn Ziegler eins hätte, veröffentlicht. Der Tagesanzeiger schreibt dazu:

Für Ziegler steht fest, dass «die Weltlandwirtschaft (…) problemlos das Doppelte der Weltbevölkerung normal ernähren könnte», Unterernährung und Hungertod also vermeidbar wären. Was fehle, sei das Geld, das «die reichen Geberländer» statt in humanitäre Hilfe «ihren einheimischen Bank-Halunken bezahlen mussten» – zur «Rettung der Spekulations-Banditen».

Gut zu wissen, dass Jean Ziegler die Landreform Anfang der Nuller-Jahre in Zimbabwe unterstütze (Link), die die weissen Farmer, in deren Besitz die Mehrheit des fruchtbaren Landes war, auf Kosten der Schergen des Diktators und Ziegler-Kumpels Robert Mugabe enteignete. Seither ist die landwirtschaftliche Produktion der einstigen Kornkammer Afrikas zusammengebrochen, 45 % der Bevölkerung sind mangelernährt. Aber natürlich würde Jean Ziegler nie seine Diktatoren-Kumpels für die Missstände dieser Welt verantwortlich machen. Noch 2002 urteilte Ziegler über seinen Freund Mugabe, ‘die Geschichte und die Moral stehen auf seiner Seite.’ (Link)

Die palästinensischen Araber sind Hilfsgeldweltmeister

Der neuste Bericht der NRO Global Humanitarian Assistance enthält interessante Informationen über den Geldstrom zu den palästinensischen Arabern. Die knapp vier Millionen palästinensischen Araber erhielten im Jahr 2009 1187.5 Millionen $ Hilfsgelder. Sie wurden einzig von den 38 Millionen Sudanesen übertroffen, die im Jahr 2009 1.3 Milliarden $ an Hilfsgeldern erhielten. Insgesamt strömten den palästinensischen Arabern in den Jahren 2000-2009 über 7,2 Milliarden $ an Hilfsgeldern zu, auch hier einzig übertroffen vom Sudan mit 8,9 Milliarden $.

 

 

Die palästinensischen Araber erhielten damit etwa 12% der weltweiten Hilfsgelder (die Zahlen in dieser Grafik decken sich nicht exakt mit Fig. 1):

 

 

Das ist umso bemerkenswerter, als gemäss Global Humanitarian Assistance genau 0% der palästinensischen Araber von einer andauernden humanitären Krise betroffen sind. Im Äthiopien dagegen, das in der Spendenrangliste erst an dritter Stelle folgt (2009: 680,7 Millionen $) , sind 34 Millionen Menschen (!) von einer dauerhaften humanitären Krise betroffen:

 

 

Noch krasser fällt die Bilanz aus, wenn man das Pro-Kopf-Hilfsgeld berechnet. Hier sind die palästinensischen Araber (1800$) einsame Spitze. Sie erhalten ungefähr 60-mal mehr Hilfsgelder pro Kopf als die Sudanesen (30$) und 180-mal mehr (!) als die Indonesier (10$):

 

 Grafik von Elder of Ziyon

 

Damit steht fest: Die palästinensischen Araber sind Hilfsgeldweltmeister. Übrigens: Die Lebenserwartung in den palästinensischen Autonomiegebieten ist 73.4 für Frauen, respektive 71,8 für Männer (siehe hier). Das lässt nicht nur Länder wie den Sudan (58,6/57,1) oder Äthiopien (52,9/51,7) weit abgeschlagen, sondern auch Ungarn (73,3/69,2) oder die Türkei (71,8/69,4).

Das Schweizer Gaza-Boot und die Hamas

Der vorliegende Artikel soll die Verbindungen des Schweizer Teilnehmers der Gaza-Flottilla zur Hamas sowie anderen islamistischen Organisationen genauer beleuchten.

Das Schweizer Boot wurde von dem Genfer NGO Droit pour tous auf die Beine gestellt. Die Organisation, die auch unter ihrem englischen Namen Right for all bekannt ist, wird von Anwar al Gharbi geleitet, der zugleich der Schweizer Vertreter der  European campaign to End the Siege on Gaza ist, die massgeblich an der Organisation der Gaza-Flottila beteiligt ist.

Anwar al-Gharbi, Präsident von 'droit pour tous'

Gharbi ist neben seinem Engament für Droits pour tous seit dem Jahr 2003 Sekretär der Organisation Association de secours palestinien (ASP)[1], die zur Union of Good zählt.[2] Die ASP befindet sich seit August 2003 auf der US-Terrorliste, weil sie der Finanzierung der Hamas dient.[3]

Der Präsident der ASP wiederum,  Al Shouli Khaled, ist ebenfalls Präsident des Comité de Bienfaisance et de Secours aux Palestiniens (CBSP). Wie die ASP befindet sich die CBSP seit 2003 auf der US-Terrorliste. Die CBSP betreut zivile Einrichtungen der Hamas im Westjordanland, die unter anderem der Finazierung der Hamas dienen. An Kongressen in Frankreich hat die Organisation auch Propaganda-Material verbreitet, das zum Mord an Juden aufruft[4].

ASP und CBSP sind Teil eines grösseren Verbandes, der Union of Good, ein Bündnis islamischer ‚Wohltätigkeitsorganisationen‘, die in Verbindung zur Moslembruderschaft stehen und von Yusuf al Qaradawi, dem spirituellen Führer der Moslembruderschaft, präsidiert werden. Die Union of Good wurde 2008 auf die US-Terrorliste gesetzt. Sie dient als Tarnorganisation zur Finanzierung der Hamas und war unter anderem direkt in die Unterstützung der Familien palästinensischer Selbstmordattentäter involviert. Auch die islamistische türkische Organisation IHH, die letztes Jahr massgeblich an der Organisation der Gaza-Flottilla beteiligt war, ist Mitglied der Union of Good.

Der als Kampf für die Menschenrechte verbrämte Aktivismus von Droit pour tous folgt offensichtlich dieser politischen Agenda. 2010 protestierte die Organisation heftig gegen die Verhaftung von Hamas Mitgliedern durch die palästinensische Autonomiebehörde.[5] Erst gestern, am 7. Juli 2011, veröffentlichte Droit pour tous einen Aufruf gegen die Verhaftung von Scheich Raed Salah durch die britische Polizei. Der Führer der islamistischen ausgerichteten islamischen Bewegung sass von 2003 bis 2005 für die Finanzierung der Hamas im Gefängnis. 2010 nahm er ebenfalls an der ersten Gaza-Flottilla teil. Bei einem Besuch des israelischen Präsidenten Shimon Peres im März 2011 versuchte Droit pour tous dessen Verhaftung zu erwirken.[6]

Neben der Zugehörigkeit zur Moslembruderschaft verfügt Droit pour tous über andere zweifelhafte Verbindungen. Im Februar 2011 organisierten Droit pour tous und der Genfer NGO Nord-Süd XXI eine gemeinsame Konferenz zur Lage der palästinensischen Häftlinge in israelischen Gefängnissen. Nord-Süd XXI, die für  die Vergabe des Gaddafi Menschenrechtspreises zuständig ist, lobbyierte jahrelang gegen Libyen-Sanktionen und steht dem Regime nahe. Der Schweizer SP-Politiker Jean Ziegler, der bis 2006 als Vize-Präsident der Organisation amtete und im Jahr 2002 selbst den Gaddafi Menschenrechtspreis erhalten hat, ist dieses Jahr deswegen unter starken Beschuss gekommen.[7]

Trotz dieser Verbindungen sucht Droit pour tous immer wieder das Bündnis mit vornehmlich linken politischen Parteien – und dies durchaus erfolgreich. Letztes Jahr kündigte Anwar al-Gharbi an, mehr als 20 Parteien und Organisationen würden an der Gaza-Flottilla 2.0 teilnehmen, darunter neben den üblichen Verdächtigen der SP, der Grünen und auch der PDA eine gewisse Zentrumspartei und eine Partei der Öffentlichkeit.[8] Die beiden letzeren Parteien  existieren in der Schweiz jedoch nicht. Schliesslich gelang es Droit pour tous, drei Schweizer Parlamentarier für die Reise zu gewinnen: Josef Zisyadis (Grüne/Linke Waadt), Carlo Sommaruga (SP Genf) und Jean-Charles Rielle (SP Genf). Sie alle sagten die Reise später aus terminlichen Gründen ab.


[2] Steve Merley: The Union of Good: A Global Muslim Brotherhood Hamas Fundraising Network, NEFA Foundation 2009, S. 25

Gaza: 5-Sterne Hotel soll Not lindern

Endlich gibt es Grund zur Hoffnung in Gaza. Gemäss Memri wird die Palestine Real Estate Investment Company in Kürze das Al-Masthal (dt. der Beginn) eröffnen, Gazas erstes 5-Sterne Hotel. Das Hotel kostete läppische $45 Millionen und bietet den Gästen 225 Zimmer, Restaurants, Konferenzräume und Schwimmbecken.

Dieser französische Blog berichtet, das Etablissement werde von einer spanischen Hotelgruppe geleitet, der ein sozialistischer Ex-Abgeordenter vorstehe. Zufälle gibts!

Gefährliche Destinationen wie Syrien oder der Sudan, wo noch scharf geschossen wird und keine ansprechenden Unterkunftsmöglichkeiten bestehen, meidet der trendige NGO-Jetsetter und geniesst stattdessen einen kühlen Sex on the Beach im Al-Mashtal. Nie zuvor war ‘Menschenrechtsaktivismus’ konfortabler zu haben.

Einige Impressionen:

Die Anlage wird es der Hamas-Elite und dem NGO-Jetset erlauben, endlich angemessen akkomodiert zu nächtigen. Die zahlreichen Konferenzräume mit Blick aufs Mittelmeer sind der Koordinierung gemeinsamer Ziele und der Forcierung des interkulturellen Dialogs sicherlich auch nicht abträglich. Schliesslich will die anstrengende Friedensarbeit belohnt sein. Sollte das Angebot dennoch nicht den Ansprüchen der selbstlosen Klientel entsprechen, bietet sich immer noch die Sinai-Riviera an, die in Zukunft noch bequemer über den Rafah-Grenzübergang zu erreichen sein wird. Hamas-Premierminister Ismail Hanyeh kündete  an, den Übergang mit $4.5 Millionen auszubauen.

Video: Latma erklärt die Gaza-Flottilla 2

Die israelische Satiresendung Latma TV scheint den wahren Charakter der Gaza-Flottilla wesentlich besser erfasst zu haben als die vielen hiesigen Medienschaffenden, die wider besseren Wissens weiterhin von Menschenrechtsaktivisten sprechen.