von Benjamin Weinthal
Es scheint so, als übernehme die sozialdemokratische Schweizer Aussenministerin Micheline Calmy Rey in diesen Tagen die Rolle der Vertretung Mahmoud Ahmadinedschads in Europa. Die Schweizer Tageszeitung NZZ deckte auf, dass Calmy-Rey sich den EU-Sanktionen gegen den Iran energisch widersetzt. Zudem plant der Schweizer Energiegigant EGL (Elektrizitätsgesellschaft Laufenburg), ihren Handel mit der staatlich-iranischen Gasexportfirma NIGEC fortzusetzen, dessen Volumen auf 18 bis 27 Milliarden Euros geschätzt wird.
Ihre Begeisterung für den fanatischen iranischen Präsidenten wurde schon 2008 offenbar, als sie mithalf, den grössten europäischen Gashandel zwischen der EGL und Ahmadinedschad zu vermitteln. Gemäss dem Handel transportiert die EGL während der der nächsten 25 Jahre fünf Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr. Als sie den despotischen Präsidenten des Irans euphorisch umarmte, gab Calmy-Rey rasch ihre vermeintlich feministische Haltung auf und stülpte sich ein Kopftuch über.
Die Einnahmen des Handels zwischen der EGL und der NIGEC, dessen Mutterfirma, die staatlich-iranische Gasfirma im Februar 2009 auf die Problemliste Grossbritanniens gesetzt wurde, wird nicht nur Irans Nuklearprogramm befördern, sondern wird auch dessen Terror-Stellvertreter, die Hamas und die Hisbollah, finanzieren. Diese Welle neuer Einnahmen verheissen nichts Gutes für die ums Üeberleben kämpfende iranische Demokratiebewegung. Die EGL-Einnahmen werden es dem iranischen Regime ermöglichen, weiter ihr repressives Revolutionswächter-Korps zu finanzieren, um Dissidenten zu unterdrücken.
Während Calmy-Rey mit grossem Aufwand die Schweizer Neutralität verfechtet, beeinträchtigt sie gemeinsam mit der EGL die Sicherheit der knapp acht Millionen Einwohner der Schweiz, des Westens und des Nahen Ostens. Die USA sollten Calmy Reys falsche Neutralitätserklärungen ignorieren und die EGL bestrafen wegen deren Verletzung des US-Sanktionen (Comprehensive Iran Sanctions, Accountability and Divestment Act). Diese ermöglichen Strafen für Investionen, die Irans Kapazität unterstützen, seine Erdöl-Vorkommen auszubauen und Erdöl zu transportieren.
Gemäss dem amerikanischen Verteidigungsminister Robert Gates und seinem französischen Kollegen üben die weltweiten Sanktionen gegen das iranische Regime den geistigen Führern Teherans empfindlichen Schaden zu.
In Anbetracht der antiwestlichen Schweizer Aussenpolitik sollten die USA sich darüber Gedanken machen, das Schweizer Mandat zur Vertretung amerikanischer Interessen im Iran aufzulösen. Der Interessenskonflikt ist allzu offensichtlich. Wie kann die Schweiz amerikanische Interessen vertreten, wenn ihre eigene Aussenministerin Calmy-Rey aktiv die von den USA geführte Sanktions-Strategie untergräbt?
Kurz gefasst: Die Schweiz kann nicht als Ahmadinedschads Vertreter in Europa amten, die wirtschaftlichen und politischen Strategien des Irans stützen und gleichzeitig behaupten, ein neutraler Auftragnehmer amerikanischer Diplomatie im Mullah-Staat zu sein.
Benjamin Weinthal ist wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Stiftung Foundation for Defense of Democracies.